Traut


home Impressum Kontakt
 
     Der nächste Lehrgang findet statt am:  18.3.2012 Allgemeiner Kata Lehrgang mit René Traut (DVWS)  [mehr] 


Keikô



Keikô

Erster Grundsatz bei Partnerübungen ist die Selbstdisziplin, damit die Übungen so korrekt und konzentriert gemeistert werden, dass auch der kleinere, ungeübtere, weniger Erfahrene auf seine Kosten kommt. Dies gilt vor allem beim Jiyu-Ippon-Kumite. Dort ist es natürlich dem Erfahrenen ein leichtes, den Unerfahrenen durch Ki (Kampfgeist), Kraft und Entschlossenheit zu überwältigen. Doch das sollte nur in ernsten Situationen der Fall sein, nicht im Training. Beim Keiko sollen beide Fortschritte machen, unabhängig von der Graduierung des einzelnen. Das kann so aussehen, daß der Erfahrene Techniken ausprobiert, die er bei einem gleichwertigen Gegener nur sehr schwer oder gar nicht einsetzen kann. Er sollte ferner noch mehr Wert auf Präzision und Kontrolle legen. Hieraus profitieren dann beide. Der Hauptzweck der Übungen soll sein, die Vervollkommnung der eigenen Geschicklichkeit zu üben und nicht die Niederlage des Partners.

Ein weiterer Punkt des Keiko ist das Ki-Kai. Ki-Kai ist der "richtige" Zeitpunkt, sich im Kampf nach vorne zu bewegen, in der Kata nach langsamen Bewegungen in schnelle überzugehen und umgekehrt. Ki-Kai ist äußerst wichtig, ein Meister wird sich nämlich nur dann bewegen, wenn es für ihn vorteilhaft ist, dann jedoch mit aller Entschlossenheit!

Ein Beispiel:
Beim Jiyu-Ippon-Kumite treten zwei Kämpfer gegeneinander an, ein Meister und ein Schüler. Nach Beendigung des Kampfes hat der Meister gewonnen, obwohl er sich weniger bewegt hat. Der Schüler hingegen hat sich sehr viel bewegt, ist ausser Atem, vielleicht unfähig, noch einen Kampf zu bestreiten - der Meister hingegen nicht. Der Meister hat es verstanden, nicht ungestüm vorzupreschen sondern den "richtigen" Zeitpunkt abzuwarten, bis er mit einer blitzschnellen Reaktion seine kontrollierte Technik vollendet. Er beherrscht das Prinzip von Entspannung und Anspannung, während ein Schüler meist nur angespannt ist.

Auch das Verhalten innerhalb des Dôjôs ist von enormer Wichtigkeit. Ein wahrer Meister wird sich immer an sein erstes Training erinnern. In diesem wurde ihm erklärt, wie er sich auf dem Dôjô zu verhalten hat und welche Pflichten (Sauberkeit, Pünktlichkeit, Gruß vor dem Betreten des Dôjôs und vor dem Verlassen etc.) er hat. Wer diese einfachen Regeln nicht beherzigt, der wird auch beim Keiko seinen Partner nicht zum Zug kommen lassen und niemals zu geistiger Reife innerhalb wie außerhalb des Dôjôs gelangen, weil es ihm an Selbstdisziplin fehlt. Er wird auch das Dôjô nur als irgendeinen alten Raum ansehen und nicht als einen ganz besonderen Ort.


Text: René Traut

Keikô