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Bunkai Bunkai


Schlägt man Schlatt´s "Enzyklopädie des Shôtôkan-Karate" auf so findet man zunächst unter dem Begriff "Bunkai" die Definition:

In einem japanischen Wörterbuch stehen, wie es in der japanische Sprache oft der Fall ist, noch weitere Bedeutungen, die zwar andere Schriftzeichen haben, jedoch per Definition nicht ganz abwegig sind. So wird Bunkai z. B. als "Unterabteilung" oder "Grenzlinie" übersetzt. Eine "Unterabteilung" von der Kata ist Bunkai schon und eine "Grenzlinie" überschreitet man auch, indem man sich beim Bunkai frei Bewegen kann (und soll!), was in einer Kata natürlich auf keinen Fall sein darf. Werner Lind beschreibt Bunkai in "Die klassische Kata" als Analyse und Methode zur Entschlüsselung einer Kata.
Entschlüsselung ist eigentlich ein zu kleines Wort um zu beschreiben, dass sich für den Ausübenden neue Welten auftun. Aus der Starre der Kata entwickelt sich im Bunkai das Verständnis für die einzelnen Techniken. Im Zusammenspiel mit einem (oder mehreren Partnern) eröffnet es gar neue Universen!
Aus meiner eigenen Erfahrung heraus weiss ich, wie schwer zu verstehen es ist, einen Ablauf jahrelang zu üben, ihn versuchen nach den eigenen Möglichkeiten zu perfektionieren um unter Umständen erst mit dem 1. oder 2. Dan langsam zu erfassen, worum es im eigentlichen geht. Aber diese Erkenntnis ist es, die neue Welten schafft. Dieser Weg ist zwar lang, aber ist nicht "Der Weg das Ziel"? Diese eher asiatische Lebensweise erschliest sich erst nach jahrelanger Unterweisung durch einen eben diesen Weg erfahrenen Meister. Allerdings so einen in unserer recht schnelllebigen von Veränderungen geprägten Zeit zu finden, wird immer schwieriger.
Nicht jede Veränderung ist natürlich schlecht, gerade das Bunkai lebt von Veränderung. Gerade auf Lehrgängen außerhalb des eigenen Dôjôs erlebt man solche, aus denen man für die weitere Zukunft schöpfen kann. Das führt auch wieder zu der Feststellung, wie komplex Karate-Dô ist und eigentlich ein Leben viel zu kurz um das alles zu erfassen - aber war nicht auch hier "Der Weg das Ziel"?
Leider wird im des sogenannten modernen Karate das Bunkai weitestgehend dazu benutzt, Techniken für den Zuschauer schön darzustellen. Das ganze gipfelt bislang in Katas die, mit Musik unterlegt, in eigenen Kompositionen zur Schau gestellt werden. Ob dies einfach eine Mode ist, oder der Zeitgeist der Moderne und somit weitreichendere Folgen hat, wird die Zukunft weisen. Ich möchte damit nicht grundsätzlich neues ablehnen, aber diese Form der Kata und/oder Bunkai hat mit Karate-Dô gar nichts mehr gemein und sollte auch nicht unter dem gleichen Namen geführt werden - kurz gesagt ein Apfel bleibt immer ein Apfel, auch wenn er gerne eine Birne wäre!


Text: René Traut (2007)


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